Wer nach einer Definition für den Begriff „Wissenstransfer“ fragt, wird unterschiedlichste Antworten erhalten. Grund dafür ist, dass Wissenstransfer ein umfangreiches Feld beschreibt und die Konzepte, die mit dem Thema verbunden werden, entsprechend unterschiedliche Teilaspekte inkludieren können. In der wissenschaftlichen Literatur wird meist Bezug auf Themen der Verwertung gelegt, sodass Patente, Spin-Offs sowie Kollaborationen zwischen Universität und Unternehmen in Wirtschaft und Industrie häufige Forschungsfelder darstellen. Hingegen existieren nur sehr wenige Untersuchungen zu anderen Teilaspekten, wie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit oder Kooperationen mit gesellschaftspolitischem Fokus.

Auch hinsichtlich der persönlichen Sichtweisen und Einstellungen von Wissenschaftler_innen gegenüber dem Themenkomplex Wissenstransfer wurde in der Vergangenheit kaum Forschung betrieben. Um diese Forschungslücke zu füllen, wurde an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt eine Studie entworfen und in den Jahren 2016 und 2017 in Kooperation mit sämtlichen Wissenstransferzentren österreichweit durchgeführt. Im Mittelpunkt standen dabei folgende Fragen:

  • Welche Teilaspekte verbinden Wissenschaftler_innen mit dem Thema Wissenstransfer?
  • Welche Faktoren motivieren zu einem Engagement im Bereich Wissenstransfer?
  • Was behindert den universitären Wissenstransfer?
  • Wie bewerten Wissenschaftler_innen das Thema Wissenstransfer?

 

Zudem wurde in Bezug auf diese Fragen untersucht, welche Unterschiede zwischen den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) und anderen wissenschaftlichen Disziplinen festzustellen sind.

Insgesamt beteiligten sich 283 Wissenschaftler_innen von 18 Universitäten an der Erhebung. Rund drei Viertel des Samples waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung habilitiert oder promoviert. Fast 60% der Teilnehmer_innen fühlten sich den GSK zugehörig. Ein weiteres Viertel bezeichnete die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) als Hauptforschungsgebiet.

Die Ergebnisse der Studie wurden in zwei Publikationen open-access veröffentlicht:

  • Die erste Publikation beschäftigt sich mit den qualitativen Ergebnissen der Forschung. Die Teilnehmer_innen wurden gebeten, den Begriff ‚(universitärer) Wissenstransfer‘ zu definieren bzw. Stichwörter zu benennen, die mit dem Thema verbunden werden. Die Ergebnisse wurden im Anschluss mittels Qualitativer Inhaltsanalyse geclustert und ausgewertet. Zur Analyse möglicher Unterschiede zwischen den GSK und anderen wissenschaftlichen Disziplinen wurden T-Tests berechnet.
  • Der zweite Artikel befasst sich mit den quantitativen Daten der Erhebung. Im ersten Schritt wurde überprüft, welche Teilaspekte explizit mit dem Thema Wissenstransfer verbunden werden. Im zweiten Schritt wurden Motivatoren und Hindernisse exploriert. Im finalen Teil der Studie untersuchten wir die Einstellungen von Wissenschaftler_innen gegenüber dem Themenkomplex bezogen auf Wahrnehmung, Bedeutung und Stellenwert in der wissenschaftlichen Community sowie in der Gesellschaft. Die Analyse der Unterschiede zwischen den GSK und anderen wissenschaftlichen Disziplinen erfolgte mittels T-Tests und Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstests.

 

 


Link zur ersten Publikation  

(Hayden, M. C., Petrova, M. K., & Wutti, D. (2018). Direct Associations of the Terminology of Knowledge Transfer – Differences Between the Social Sciences and Humanities (SSH) and Other Scientific Disciplines. Trames: A Journal of the Humanities and Social Sciences, 22(3), 239–256. https://doi.org/10.3176/tr.2018.3.02)


Link zur zweiten Publikation  

(Hayden, M. C., Weiß, M., Pechriggl, A., & Wutti, D. (2018). Insights Into University Knowledge Transfer in the Social Sciences and Humanities (SSH) and Other Scientific Disciplines – More Similarities Than Differences. Frontiers in Research Metrics and Analytics, 3, 32. https://doi.org/10.3389/frma.2018.00032)


 

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Erstellt von: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, MH
am: 23.10.2018